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   Charles "Chuck" Krum

                                             

Sergeant First Class (SFC) Charles Clayton Krum, 5. Dan AKS, war uns allen besser bekannt als   “Sergeant Pepper” oder schlicht “Chuck”. Während seines letzten Deutschlandbesuchs starb Chuck am  22. September 2006 in Transrapid-Unglück in Lathen, gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Lehrer Ernie Lieb.

Chuck wurde am 13. Oktober 1948 in Hammond, Indiana geboren. Ein leichtes Leben hatte er nicht, aber Chuck hatte ein großes Herz und ebenso großen Mut. Im Vietnamkrieg war er 14 Monate als U.S. Marine an der Front und wurde mehrfach für seinen furchtlosen Einsatz ausgezeichnet. Insgesamt diente er in den sechziger Jahren sechs Jahre bei den Marines. Wer ihn kannte wusste, dass er, ebenso wie viele deutsche Veteranen des Zweiten Weltkriegs, von schlimmen Kriegserinnerungen geplagt wurde. Zeitlebens war und blieb Chuck jedoch ein amerikanischer Patriot, der seinen Dienst für sein Land immer uneingeschränkt bejaht hat. Seit 1982 diente er in der Nationalgarde in West Virginia, wo er als Ausbilder arbeitete und in der Verwaltung tätig war. Er starb eine Woche vor seinem 30-jährigen Militärjubiläum.  Sein tiefer Glaube an einen gütigen Gott half Chuck auch in privaten Krisenzeiten, denn Chuck war nie ohne seine Bibel unterwegs und seine Bibel nie ohne ihn.

 

 

Chuck war von der Vielseitigkeit des American Karate System überzeugt und hat in West Virginia jahrelang ein großes AKS-Dojo geführt. In seinen letzten Lebensjahren war er schwer herzkrank. Deshalb entschied er sich, in Deutschland als Lehrer eher im Hintergrund zu bleiben. Beim gemeinsamen Training mit Ernie Lieb und anderen verstand er es jedoch immer, im selbst gewählten Abseits beachtliche Aktivitäten zu entfalten. Ihm entging gar nichts. Jeder AKS’ler dürfte es irgendwann einmal im Training erlebt haben, dass Sergeant Pepper plötzlich neben ihm stand, ohne dass er ihn hätte kommen sehen. Chuck war einfach unglaublich diskret und unauffällig. Wäre er nicht so ein freundlicher Mensch gewesen, diese Ninja-Fähigkeit hätte etwas Unheimliches an sich gehabt. Wir alle wussten, dieser kleine, liebenswürdige Mann war nicht nur ein guter Lehrer, er war auch Soldat. Und so kam es, dass Ernie Lieb immer wusste, was bestimmte Schüler gezeigt hatten, auch wenn er es selbst nicht gesehen hatte.

Fehler korrigierte Chuck diskret,  präzise und nie ohne eine ermunternde Geste. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er als Karatelehrer in seinem Dojo in West Virginia jahrelang hervorragende Schüler hervorgebracht hat, die auch nach seinem Tod sein Wissen weitergeben werden.

Außerhalb des Trainings und außerhalb seines Dienstes war Chuck ein einfallsreicher, lockerer und zurückhaltender Mensch mit viel Gefühl. Dumme Sprüche und Witze liebte er über alles und war selbst eine Quelle unerschöpflichen Humors. Freundschaft lag ihm besonders am Herzen. Er hat sich persönlich immer für die Kameradschaft im AKS eingesetzt und unterhielt eine Vielzahl von Kontakten per Email, quer über den Atlantik.

Chuck hinterlässt zwei Söhne, zwei Töchter (Missy kennen einige in Deutschland, weil sie ihren Vater einmal nach Holzminden begleitet hat) und sechs (demnächst sieben) Enkel. Seine deutschen Freunde werden ihn ebenfalls sehr vermissen. Auf großen Lehrgängen drehen wir uns um und fragen uns „Wo ist eigentlich Sergeant Pepper?“ Erst dann fällt uns wieder ein, Sergeant Pepper, unser amerikanischer Freund und Lehrer, kommt leider nie mehr wieder.

Ingrid Coughlan

Hildesheim

 

                                    Nachruf

                   Ernest H. Lieb, 10. Dan, Begründer des American Karate System

                            

                                          Mr. Kim und Ernest Lieb in Korea

Ernest Lieb wurde 1940 in Berlin geboren. Als kleines Kind erlebte er den Zusammenbruch des Nationalsozialismus, die Zerbombung seiner Heimatstadt, die nachfolgende russische Besatzung und die Verschleppung seines Vaters in die Sowjetunion. In Begleitung seiner Mutter gelang ihm mit knapp 10 Jahren die Flucht in den Westen. Lieb erinnert sich daran, einen Wald und einen Fluss durchquert zu haben, wobei ihm als Kind der Mund verklebt wurde, damit er die Gruppe nicht durch Schreien verraten konnte. Die Familie ließ sich vorübergehend im niedersächsischen Northeim nieder. Dort stieß der Vater wieder zu ihnen.

1952 wanderte die Familie in die USA aus. Ernest erinnert sich:

„Wir mussten erst mit dem Zug nach Genua fahren. Unser Schiff hieß ‚Saturnia’ und wir waren 10 Tage darauf unterwegs. Unser Quartier war im untersten Deck, direkt neben dem Maschinenraum. In der dritten Klasse war es entsetzlich laut, aber auch billig. Als ich Jahrzehnte später den Film ‚Titanic’ mit Leonardo DiCaprio sah, wurde ich intensiv an diese Überfahrt erinnert. Die Unterbringung des jungen Künstlers Jack Dawson in dem Film erinnerte mich dermaßen an die Überfahrt unserer Familie, dass alte Erinnerungen wieder lebendig wurden …“

Nach der Überfahrt zog die Familie zunächst nach Chicago. Als Deutscher hatte der durch Hunger und Entbehrungen schmale Junge dort unter Diskriminierungen zu leiden. Nachdem ihn ein Jugendlicher als „Nazi“ beschimpft und ihm schwerste Armverletzungen zugefügt hatte, entschloss sich Ernest, in Zukunft wehrhafter durchs Leben zu gehen. Nach dem Umzug der Familie nach Muskegon/ Michigan machte Ernest 1959 seinen High School-Abschluss und erhielt die US-Staatsbürgerschaft.

Seit 1956 hatte sich Ernest sich mit Karate, Judo und Jiu-Jitsu befasst, konnte jedoch in seiner Heimatstadt nur unregelmäßig Unterricht erhalten. 1961 begann er seine Militärlaufbahn, die ihn u. a. nach Korea führte. Dort traf er die Chi Do Kwan-Meister Chun Il Sup und Kim Young Bae, allgemein „Mr. Kim“ genannt, der Ernest Liebs erster richtiger Lehrer wurde:

„Zwei Monate lang durfte ich nur beim Training zuschauen, Tag für Tag, bis Mr. Kim mich endlich zum Training zuließ. Mr. Kim hielt uns Amerikaner nämlich für faul. Im Vergleich zu den Koreanern waren es die meisten wohl auch. Deshalb traute mir Mr. Kim zunächst nicht zu, ein guter Schüler zu werden. Als ich ihm aber das Gegenteil beweisen konnte, wurden wir die besten Freunde. Damals habe ich wie ein Verrückter trainiert und die Koreaner waren nicht gerade zimperlich. Mr. Kim empfahl mir auch die Übung anderer Kampfkünste, damit ich meine Gegner besser einschätzen könne. So erwarb ich zusätzlich den 1. Dan im Judo und im Aikido.“

Ernest Lieb wurde ein sehr erfolgreicher Wettkämpfer in den sechziger Jahren, der u. a. als erster Amerikaner die Korean International Tae Soo Do Championships gewann. Als er in die USA zurückkehrte, verpflichtete sein Lehrer ihn nicht auf das Chi Do Kwan, in dem Ernest inzwischen durch Chun Il Sup mit dem 3. Dan graduiert worden war:

„Wir Koreaner betreiben unsere Kampfkunst unabhängig von den Japanern und sind stolz darauf. Du darfst und kannst das Gleiche tun.“ 

Solchermaßen durch den Lehrer bestärkt, öffnete sich Lieb nach seiner Rückkehr zunehmend für andere Stilrichtungen und für alle Kampfkunsttechniken, die er für gut und effizient befand. Die Anfänge des American Karate System (AKS) gehen daher auf das Jahr 1964 zurück.

Durch seine persönliche Freundschaft mit Tadashi Yamashita, einem Schüler des Shorin Ryu-Meisters Shugoro Nakazato, wurde Liebs Kampfsportpraxis zunehmend durch japanisch-okinawanische Elemente bereichert. Als Nahkampfexperte des US-Militärs fügte Lieb einheimische Techniken hinzu. 1964 begründete Ernest Lieb die American Karate Association, um allen amerikanische Stilrichtungen einen gemeinsamen nationalen Dachverband anzubieten. 1973 benannte er, gemeinsam mit 13 Meisterschülern, sein weiterentwickeltes Karate in „American Karate System“ um. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das AKS, auch durch Beiträge von Meisterschülern wie etwa des damaligen US-Majors Michael Sullenger, zu einem japanisch-koreanisch-amerikanischen System mit eigener Identität entwickelt.

Der heutige Prof. Michael Sullenger, 9. Dan AKS, war als hoher amerikanischer Sicherheitsoffizier mehrmals in Europa stationiert. Ihm und dem ebenfalls langjährig in Deutschland stationierten Prof. Robert Debelak, 6. Dan, ist es zu verdanken, dass AKS ab 1980 auch außerhalb der amerikanischen Militäreinrichtungen unterrichtet wurde. Der heutige Bundesstilrichtungsreferent Andreas Modl, 7. Dan AKS, damals bereits Wado-Ryu Danträger, erlernte das System von ihnen. Seit 1997 ist AKS-Germany eine im DKV anerkannte und von der amerikanischen Mutterorganisation unabhängige Stilrichtung.

Seit dem Jahre 2000 hielt Ernest Lieb wieder Lehrgänge in Norddeutschland ab. Hier fühlte er sich als Deutscher, was er immer wieder betont hat. In seiner Freizeit trug er gerne ein T-Shirt mit dem Kennedy-Zitat „Ich bin ein Berliner“.

Am 22. September 2006 bestieg Ernest H. Lieb gemeinsam mit seinem amerikanischen Karatekollegen Sgt. Charles C. (Chuck) Krum (5. Dan AKS) und seinen deutschen Karatefreunden Mattheas Augustijn, Detlef Thiele und Dagmar Wichterich den Transrapid in Lathen. 59 Sekunden nach der Abfahrt starben sie gemeinsam mit 18 weiteren Opfern beim Aufprall des Zuges auf einen Werkstattwagen.

Beim Gedenkgottesdienst am 27. September versammelten sich viele deutsche Karatefreunde in gemeinsamer Trauer um die fünf verstorbenen Karateka. Im Namen des Deutschen Karate Verbands legte der Bundesstilrichtungsreferent einen Kranz an der Unfallstelle nieder.

Mit Ernest Lieb hat das US-Karate einen kreativen Pionier verloren, dessen besonders Anliegen es war, auch deutsche Karateka an seiner reichen Erfahrung teilhaben zu lassen.

Ingrid Coughlan

Hildesheim

 

 

Am 22. September 2006 starben bei dem tragischen Transrapid Unglück in

Lathen folgende Karatekas

 

Dagmar Wichterich

Detlef Thiele

Mattheas Augustijn

Chuck Krum

Ernest Lieb

 

 

In liebevollem Gedenken an Sandy

Sandy

Sandy aus Boizenburg starb einen Tag nach unserem Trainingslager in Frankreich durch einen tragischen Motorradunfall. Wie alle vermissen ihn wirklich sehr. Seine freundliche Art fehlt uns und wir wünschen uns das er in Frieden steht.

 

 

Eine persönliche Anmerkung

Andreas Modl Bundesreferent AKS-Germany

Ich habe eine lange Zeit gebraucht um etwas zu diesem einschneidenden Ereigniss des Transrapidunglücks und den beteiligten Personen zu sagen. Man möge mir dies nachsehen, aber das ist auch kein wirklich einfaches Thema.

Ernest Lieb lernte ich persönlich erst im Jahr 2000 kennen. Er war für mich eine sehr interessante Persönlichkeit,  die einen entsprechenden Respekt verdient hat. Egal wer Ernie war und egal welche Meinungen er zu welchen Lebensabschnitten vertreten hat, er war ein Freund und ich bedauere seinen Tod sehr. Ich werde, genau wie meine Absprachen mit ihm waren,  das AKS-Karate in Deutschland nach unserem Ermessen weiterführen. Wir alle hoffen,  das es eine erfolgreiche Stilrichtung wird, die sein Andenken wahren wird und seinen Namen auch noch lange über seinen Tod hinaus in Ehren hält.

Noch ein Wort zu Ernest Lieb, dem großen alten Herrn des AKS-Karate. Ernest war mit Sicherheit kein einfacher Mensch, viele von uns sind manchmal wahrhaft verzweifelt an seinen Gedankensprüngen. Aber man muss verstehen was für ein Mensch er war und was für eine Vergangenheit er hatte. Er diente in der US-Airforce als Ausbilder und auch viele Sondereinsätze über die nicht gesprochen wird,  waren realer Teil seines Lebens.

So etwas geht natürlich nicht spurlos an einem Menschen vorüber und hinterlässt tiefe Narben im Dasein eines jeden. Im Alter hat Ernie des öfteren mal seine Meinung geändert und das führte zu fast schon irrealen Situationen. Wie dem auch sei, er war ein absolut aussergewöhnlicher Mensch. Er hatte einen Traum vom Karate und er hat alles gegeben um den zu verwirklichen. Heute sind eine Hand voll Menschen dafür verantwortlich das dieser Traum auch in die neuere Zeit hinüber gebracht wird. Wir alle,  die daran beteiligt sind,  werden unser bestes geben seinen Traum weiterleben zu lassen. Wir wünschen uns,  dass man "unseren" Ernie nicht vergisst. Denn letzten Endes war er es, dem wir einen großen Teil unseres heutiges Karatedasein zu verdanken haben.

Charles (Chucky) Krum..... er war mein Freund und ich vermisse ihn unendlich. Er hatte sich immer Gedanken gemacht,  was er nach seiner Pensionierung alles machen sollte, leider konnte er seinen Lebendsabend nicht mehr auskosten. Sein Verlust schmerzt mich ganz besonders, Chuck war ein unglaublicher Mensch. Ich wünsche ihm das er seinen Frieden gefunden hat. Ich weiß wie sehr er unter manchen Erlebnissen aus zwei Kriegen gelitten hat. Ich hoffe das es nun für ihn vorbei ist und er in Frieden steht. Chuck war einer der Lehrer der mit unglaublichem Gefühl und Respekt den Schülern gegenüber die Werte unseres Systems vermittelt hat. Für ihn war das alles keine reine Theorie, er hat Life all diese bedrohlichen Situationen erlebt. Seine Ängste und Erfahrungen die er großmütig weitergegeben hat waren und sind uns allen eine Lehre,  die wir nie vergessen werden. Dafür sind wir und auch ich persönlich sehr dankbar. Chucky war ein sehr gläubiger Mensch und ich wünsche mir für ihn,  dass er an der Seite seines Gottes einen schönen Platz gefunden hat.

Andreas Modl